Zwischen Romantik und Karibik

Jugendaustausch-Orchester „CHMYO“ präsentiert Ergebnis der gemeinsamen Proben. Über 90 Musiker beim Sinfoniekonzert im Heidelberger Schloss mit dabei.

Christian Bartle | Fotografie10 Tage lang probte das Jugendaustausch-Orchester „CHMYO“ (Cambridge-Heidelberg-Montpellier Youth Orchestra) in Heidelberg. Den Höhepunkt bildete ein festliches Sinfoniekonzert am
Samstagabend im Königssaal des Heidelberger Schlosses. Über 90 Musiker präsentierten das Ergebnis der gemeinsamen Probenarbeit. Das Jugendaustausch-Orchester trifft sich jedes Jahr zu Beginn der Sommerferien in einer der drei Partnerstädte.

Die Teilnahme steht Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 12 – 21 Jahren offen. Voraussetzung ist das Spielen eines Instruments auf einem gewissen Niveau sowie die Bereitschaft zur Aufnahme eines Gastmusikers / einer Gastmusikerin. Die Organisation des Programms liegt in den Händen des Stadtjugendring Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Musik- und Singschule Heidelberg. Erstmalig waren in diesem Jahr auch Musiker aus Palo Alto (USA) dabei.

Christian Bartle | Fotografie

Mit einem fulminanten Sinfoniekonzert im Königssaal des Heidelberger Schlosses fand die Probenarbeit des Jugendaustausch-Orchesters 2018 am Samstagabend ihren Höhepunkt. Über 90 Musiker aus Cambridge, Heidelberg, Montpellier – und erstmals auch aus Heidelbergs neuester Partnerstadt Palo Alto (USA) – präsentierten das Ergebnis der gemeinsamen Probenarbeit. In seiner Eröffnungsrede bedankte sich Steffen Wörner (Geschäftsführer, Stadtjugendring Heidelberg e. V.) bei den vielen Verantwortlichen des Projekts und der Musik-und Singschule. Mit einem Augenzwinkern kritisierte er außerdem die Wahl des diesjährigen Konzertmottos “Komponisten der Romantik in Heidelberg”: „Karibische Nächte wäre passender gewesen“, sagte er im Hinblick auf die hohen Temperaturen und forderte die Zuschauer im Saal dazu auf, „besonders kräftig zu klatschen und mit den Programmheften zu wedeln“, um Wind zu erzeugen. Für stürmischen Applaus sorgten die Orchestermitglieder jedoch ganz alleine. Mit einer Präzision, wie sie nach wenigen Tagen gemeinsamer
Probezeit kaum zu erwarten ist, präsentierten die jungen Musiker 13 Werke berühmter Komponisten, die alle eine gewisse Zeit in Heidelberg verbracht haben. Darunter berühmte Stücke, wie der Ungarische Marsch Nr. 5 von Johannes Brahms, aber auch unbekanntere Kompositionen, wie die Danse Macabre des französischen Komponisten Camille Saint-Saëns. Laura Schmidt-Thomée führte mit kleinen Anekdoten durchs Programm. So erfuhren die Konzertbesucher, dass Robert Schumann in
Heidelberg nicht etwa seinem Jurastudium, sondern vielmehr den feuchtfröhlichen Verlockungen des Studentenlebens zugetan war.

Geleitet wurde das Konzert von einem erfahrenen Dirigenten-Trio, bestehend aus Georg Schmidt-Thomée (DE), Olivier Vaisette (FR) und Matthew Gunn (GB). Als sehr gelungen bezeichnete Steffen Wörner den Verlauf des Musikeraustauschs: „Es ist immer wieder fantastisch zu sehen, wie
unkompliziert die Jugendlichen aufeinander zugehen. Um die Kontaktaufnahme noch einfacher zu gestalten, haben wir in diesem Jahr eine Art Panini-Album eingeführt – da gab es dann keine Fußballspieler, sondern Sticker von unseren Musikern zu sammeln. Das kam super an.“

Christian Bartle | Fotografie

Noch bis Montag (6.8.) sind die Gäste aus den Partnerstädten in Heidelberg. Dafür, dass sich die Jugendlichen wohlfühlen, sorgt (neben vielen anderen Helfern) auch Katherine Worster. Acht Jahre lang war die Fagottistin aktives Mitglied im Jugendaustausch-Orchester, jetzt ist sie
zum ersten Mal als Betreuerin der britischen Gruppe dabei. „Ich helfe dabei, alles zu organisieren, tröste bei Heimweh oder wenn jemand krank ist und vermittle bei Problemen mit den Gastfamilien“, erklärt die 22-jährige und ergänzt: „Allerdings gab es da kaum etwas tun, die Gastfamilien machen einen fantastischen Job.“ So wie Familie Slot, die die 13-jährige Cellistin Allyson aus Palo Alto bei
sich aufgenommen hat. „Kommunikationsprobleme gab es nicht“, sagt Gastvater Ralf Slot. „Die Mädchen haben sich super verstanden und Allysons Eltern sind sogar extra zum Abschlusskonzert aus Kalifornien angereist.“ Auch Tochter Alexa (14, Violine) ist begeistert: „Ich konnte mein Englisch verbessern und jetzt möchte ich bald in die USA reisen und Allyson besuchen.“

 

Bilder: Christian Bartle | Fotografie