So geht Prävention!

Was Heidelberger Vereine schon tun, um Kinder vor sexueller Gewalt zu schützen.

„Bei uns wird mit jedem Ehrenamtlichen eine Art Einstellungsgespräch geführt, in dem auch das Thema Grenzverletzungen und sexueller Missbrauch angesprochen wird“, berichtet Leiter Simon der Royal Rangers. Die Heidelberger Gruppe der christlichen Pfadfinder wurde 2013 gegründet. Von Anfang an habe man das Thema dabei ernst genommen und ein Präventionskonzept etabliert. So sei es selbstverständlich, dass Ehrenamtliche einen Verhaltenskodex unterzeichneten und bei Bedarf auch ein Führungszeugnis vorzeigen.

Simon Danner

Simon Danner

Die Kinder und Jugendlichen zwischen  6 und 18 Jahren bleiben über mehrere Jahre in festen Gruppen mit ihren Leiterinnen und Leitern zusammen – das daraus resultierende Vertrauensverhältnis ist gut und gewünscht. Aber es birgt in Hinsicht auf Grenzverletzungen auch ein Risiko. Die Royal Rangers sind sich dessen bewusst und arbeiten aktiv daran, es zu minimieren. Betreuer Simon vertritt die Pfadfinder bei der Präventionswerkstatt des Stadtjugendrings, um noch besser gewappnet zu sein. Und auch die Kinder lernten bei einem dreistündigen Workshop der Projektstelle „Kein Missbrauch“ ihre Rechte kennen.

 

Ihr können die Schritte nicht groß genug sein: Sara Mühl, Jugendleiterin bei der DLRG Heidelberg, hat sich ein Jahr Zeit genommen um in ihrem Verein richtig was anzuschieben. Die

Teilnehmer*innen der Basisschulung "Prävention sexueller Gewalt" des SJR

Teilnehmer*innen der Basisschulung „Prävention sexueller Gewalt“ des SJR 2015

gelernte Erzieherin hat einen genauen Blick dafür, wo Gefährdungen liegen könnten. Als erstes hat sie alle ehrenamtlichen Trainer/innen zur Fortbildung beim Stadtjugendring geschickt, damit alle auf dem gleichen Wissensstand sind. Schon jetzt gibt es für das Thema sexuelle Gewalt eine besondere Sensibilität bei den Schwimmern. Als nächstes werden vereinsinterne Regelungen überprüft und gemeinsam diskutiert, welches Vorgehen sinnvoll sein könnte. „Mir ist besonders wichtig, dass wir eine gute Kommunikationsstruktur entwickeln, damit im Ernstfall klar ist: Wer muss wann mit wem sprechen?“, sagt Sara. Wenn zum Beispiel Eltern einen Verdacht äußerten muss klar sein, wie dieser abgeklärt werden kann. Welche Maßnahmen noch nötig sind, darüber denkt die DLRG Jugendleiterin mit anderen Vereinen bei der Präventionswerkstatt nach. Ein Thema hat sich dabei schon als wichtig herausgestellt: Ferienfreizeiten.

Für viele Kinder sind sie ein Höhepunkt des Jahres: Die Ferienfreizeiten. Das evangelische Kinder- und Jugendwerk Heidelberg führt gleich mehrere davon jedes Jahr durch. Bezirksjugendreferent Philip Orschitt kennt die heiklen Bereiche genau: „Wo gemeinsam übernachtet wird, wo für Kinder und Jugendliche nötige Freiräume entstehen oder einfach nur, wo die Bedürfnisse vieler Kinder aufeinander treffen, da kann es zur Verletzung persönlicher Grenzen kommen.“

Ferienfreizeiten sind ein Höhepunkt des Jahres

Ferienfreizeiten sind ein Höhepunkt des Jahres

Das evangelische Kinder- und Jugendwerk gehört zur Landeskirche Baden und ist in das Präventionsprojekt „Alle Achtung“ eingebunden. Verpflichtungserklärungen sind längst Standard, ebenso wie die Schulung des hauptamtlichen Personals. Besonders ist, dass die badische Landeskirche auch ein Vertrauenstelefon eingerichtet hat, an das sich Kinder, Jugendliche und Mitarbeitende wenden können. Gemeinsam mit anderen Feedbackmöglichkeiten erhöht es die Chance, mögliche Übergriffe früh zu erkennen und etwas zu unternehmen. Was dann zu tun ist, erfährt Philip aus dem Handlungsleitfaden des Jugendwerks. Er enthält Verfahrensabläufe und einen Kommunikationsplan an die er sich halten muss.

Philip Orschitt

Philip Orschitt

Viel wichtiger aber findet er die grundsätzliche Haltung: „Wir pflegen kontinuierlich eine Kultur der Grenzachtung bei uns Hauptamtlichen und bei den ehrenamtlich Engagierten. Ziel ist es, dass sich alle Kinder und Jugendlichen bei uns wohlfühlen, weil ihre persönlichen Grenzen respektiert werden. Daran arbeiten Haupt- und Ehrenamtliche im Team.“

Die Bandbreite der möglichen Präventionsmaßnahmen ist groß. Was für einen Verein die richtigen Schritte sind, darüber muss immer im Einzelfall entschieden werden. Fragen Sie bei der Projektstelle „Kein Missbrauch“ nach, um Unterstützung zu bekommen.

Der Beitrag als PDF: 2016 Artikel So geht Prävention

Projektstelle „Kein Missbrauch“ des Stadtjugendrings Heidelberg e.V.

Projektleiter Philipp Schrage

www.kein-missbrauch-hd.de

schrage@sjr-heidelberg.de

Tel.: 06221/164604