Ein Wiedersehen in Heidelberg

DSC_0697Parze und Jakob berichten vom diesjährigen Jugendaustausch mit der Partnerstadt Rehovot (Israel).

Nachdem wir im Sommer 2012 unsere Partnerstadt Rehovot in Israel besucht hatten, konnten wir die Ankunft unserer Austauschpartner am 25.7. kaum erwarten. Die überschwänglichen Begrüßungsszenen und Umarmungen am Frankfurter Flughafen spiegelten Euphorie und Freundschaft zwischen den beiden Gruppen wider. Schon während der Busfahrt nach Heidelberg wurde wieder gelacht und gesungen, wie in Israel. In Heidelberg angekommen, wurde die israelische Delegation im Haus am Harbigweg noch einmal offiziell von Otto Knüpfer willkommen geheißen. Danach ging es in die Gastfamilien, wo das erste deutsche Abendessen für die Israelis auf dem Programm stand.

Am nächsten Morgen wurden unseren Gästen dann unsere malerische Altstadt sowie das berühmte Heidelberger Schloss in einer Stadtführung gezeigt.  Anschließend bummelten wir durch die Hauptstraße und trafen uns zu einem Mittags-Picknick auf der Neckarwiese. Dort wurde Frisbee Ultimate gespielt, bis wir um 15:30 Uhr eine Tour mit dem Drachenboot machten. Ein reichlich nasses Erlebnis!

Das Wochenende verbrachten die Israelis in ihren jeweiligen Gastfamilien, mit denen z.B. Fahrradtouren, Ausflüge in den Kletterpark, Schwimmbadbesuche und viele andere Dinge unternommen wurden.

Am Montag stand das erste große Highlight auf dem Programm: Wir fuhren morgens mit dem Bus nach Nürnberg, wo wir gegen Mittag ankamen und im Hotel eincheckten. Die anschließende Stadtführung führte uns unter anderem auf das Nürnberger Schloss, von dem aus wir einen beeindruckenden Blick auf die historische Altstadt genossen. Nun stand noch ein großer Punkt für die Altstadt an: Shoppen! Nach dem Abendessen im Hotel gingen wir alle noch einmal in die Stadt und trudelten dann etwa um 23:00 Uhr wieder im Hotel ein. Am nächsten Morgen ging es nach einer recht kurzen Nacht weiter zum Nürnberger Reichsparteitaggelände. Auch dort bekamen wir wieder eine informative und zugleich kurzweilige Führung, bei der wir sehr viel über die deutsche NS-Zeit 1933-1945 erfuhren. Am späten Nachmittag machten wir uns auf den Rückweg.

Mittwochs waren wir ins Rathaus in Heidelberg eingeladen, wo wir zunächst von Oberbürgermeister Dr. Würzner und dann auch von Bürgermeister Dr. Gerner willkommen geheißen wurden. Daraufhin nahmen wir an einer gemeinsamen Debatte teil, bei der wir vor allem über das Leben als Jugendlicher in Deutschland und Israel diskutierten. Hier beschäftigten wir uns mit Unterschieden und Gemeinsamkeiten und stellten schließlich fest:  So unterschiedlich die Länder und Kulturen auch sein mögen, die Wünsche nach mehr Freizeit und Autonomie sind bei allen 16- bis 18-Jährigen dieselben. Nach der Konferenz vertrieben wir uns noch ein wenig die Zeit in der Heidelberger Altstadt, indem wir essen und einkaufen gingen. Am Abend traf sich die Gruppe im Bowlingcenter, um an eine Art Tradition der Austauschgemeinschaft anzuschließen- denn auch in Israel waren wir bowlen gegangen. Und es machte uns genauso viel Spaß wie im letzten Sommer.

Der Donnerstag hielt zunächst einen sehr ernsten Programmpunkt für uns alle bereit: Den Besuch des Konzentrationslagers in Struthof. Hier organisierten unsere israelischen Gäste eine Art Gedenkgottesdienst für die Opfer. Die traurigen und nachdenklichen Lieder und Gedichte, welche sie in diesem Rahmen vortrugen, berührten uns alle zutiefst.

In Struthof erhielten wir nun keine Führung, sondern machten uns in kleineren Gruppen auf den Weg, um den Ort auf uns wirken zu lassen. Im Museum konnten wir uns genauer über das KZ und die damals dort herrschende Grausamkeit informieren.

Nach diesem eher deprimierenden Vormittag, machten wir uns auf den Weg in den Europapark. Unterwegs gab es  noch einen kurzen Zwischenstopp in Straßburg, wo wir in Cafés die französische Atmosphäre genossen. Am Abend kamen wir dann im „Wilden Westen“ an. Das war natürlich ein Teil des Europaparks, wo wir in Planwagen übernachteten, was in einen Krieg gegen die Übermacht der dortigen Mücken ausartete.

Der Freitag war nun für die meisten von uns das absolute Highlight der Woche. Vom frühen Morgen, bis in den späten Nachmittag hinein hatten wir alle viel Spaß auf Achterbahnen, Wildwasserbahnen und anderen Attraktionen, die der Europaparkt zu bieten hat. Trotz großer Erschöpfung/Ermüdung organisierten wir für den Freitagabend noch eine Gartenparty, bei der uns schmerzlich bewusst wurde, dass der Austausch sich schon wieder dem Ende näherte.

Am Samstag war dann Sabbat. Wir trafen uns alle um 10 Uhr vor der Synagoge; dort bekamen wir eine kurze Führung und besuchten danach das Gebet. Ein großes Erlebnis für Deutsche und Israelis! Der restliche Samstag wurde in den jeweiligen Gastfamilien verbracht – schließlich war es der letzte gemeinsame Tag. Am Abend fand die große Abschiedsfeier mit Grillen und Eis am Haus am Harbigweg statt. Geschenke wurden übergeben, Dank wurde ausgesprochen und berührende Reden von deutscher und israelischer Seite bekundeten das Bedauern über das Ende des Austausches aber auch die Freundschaft zwischen den beiden Städten und Gruppen.

Die Taschen waren nun gepackt, alle waren mehr oder weniger zur Abreise bereit und so machten wir uns alle auf den Weg nach Frankfurt. Dort fand eine ähnlich große Szene wie zu Beginn des Austausches statt, nur dass es sich diesmal um eine Verabschiedung handelte. Mit Tränen in den Augen sagten wir unseren Partnern auf Wiedersehen und hofften, dass es auch wirklich ein Wiedersehen geben würde. Doch wir zweifeln nicht daran: Dass wir so gut an die schönen Erfahrungen und Begegnungen im letzten Sommer anknüpfen konnten, hat uns gezeigt, dass die geschlossenen Freundschaften Zukunft haben.
Also ein überaus gelungener Deutsch-Israelischer Austausch!

Text: Parze Petersen & Jakob Wolf